Im Ort Tamm bei Ludwigsburg fand vom 29. Juli – 2. August ein großes Karate‐Meeting für Kampfkunstbegeisterte statt. Gemeinsam mit Teilnehmern aus dem europäischen Inland, Süd‐Afrika und Australien haben sich auch Karateka der Turngemeinde in dieser Woche Zeit genommen, um ihrem Hobby intensiv nachzugehen. An fünf Tagen wurde jeweils in drei Trainingseinheiten eifrig geübt und geschwitzt und am Abend das verdiente Bier mit den Freunden aus den anderen Vereinen genossen.

DJKB, dem auch die Karate‐Abteilung der Turngemeinde angeschlossen ist, wird einmal jährlich an wechselnden Orten in Deutschland ein solches Gasshuku ausgerichtet, das sich zum festen Treffpunkt der Szene entwickelt hat. Wenn dann 850 Leute mit weißen Karate‐Anzügen eine nicht allzu große Gemeinde heimsuchen, ist das schon im Straßenbild sichtbar. Denn natürlich passen nicht alle Karateka in eine Halle, sodass man viele Kollegen zu Fuß oder auf dem Fahrrad durch die Gassen tingeln sieht.

Charakteristisch für die großen Lehrgänge wie das Gasshuku sind die Besuche von angesehenen Meistern aus dem Hauptquartier der Japan Karate Association. Dieses Jahr war der Instructor Tatsuya Naka zu Besuch, der auch aus Filmen wie „Black Belt“ bekannt ist. In seinen Unterrichtseinheiten hat Naka Sensei mit viel Freude und eindrücklichen Vorführungen wertvolles Wissen weitergegeben. Besonders beeindruckend war die Verschiebung des inneren Schwerpunkts durch Atem und Fokus oder auch nur durch kleine Änderungen in der Haltung. Diese für uns Europäer teils esoterisch anmutenden Konzepte dann aber in der Partnerübung selbst erfahren zu können, war verblüffend.

Weiterer Star‐Gast war Mai Shiina, ebenfalls Instructor aus Japan. Die Schülerin von Naka Sensei und sehr erfolgreiche Wettkämpferin bei den JKA‐Meisterschaften ist sicherlich ein Ausnahmetalent. Nicht nur hat sie mit ihrer Schnelligkeit und Präzision bei den Demonstrationen von Techniken die Teilnehmer in Staunen versetzt, sondern auch ein gut durchdachtes und forderndes Training gestaltet. Ebenso lehrreich waren die Einheiten bei den übrigen Trainern, die fast schon zum festen „Personal“ der großen Lehrgänge zählen. Darunter sind auch die Trainer der Nationalmannschaften des DJKB, die selbst auf eine ereignisreiche Wettkampfkarriere zurückblicken können und so aus der Praxis viele Tipps für effektive Kampfkunst geben können.

Kämpfen gegen Gegner im eigentlichen Sinne war aber nicht Ziel des Lehrgangs. Es wurde schließlich kein Wettkampf ausgerichtet, sondern gemeinsam Trainiert. Inhalte der Übungsstunden waren frühmorgens ab sieben Uhr Kata (feste formalisierte Abläufe von Block‐ und Angriffstechniken) und bei den anschließenden beiden Einheiten Kihon (Basis‐Training der Grundlagen) und Kumite (Partnerübungen). Auch als langjähriger Karateka kann man bei jeder dieser drei Säulen des Karate hinzulernen. Die teils neuen Ansätze sollen auch über den Lehrgang hinaus wirken und das heimische Training beleben.

Der ausrichtende Verein war der Turnverein Tamm, der nicht nur eine perfekte Organisation der Hallenbelegung und der Verpflegung geleistet hat, sondern auch ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt hat. Hervorzuheben ist der Fassanstich durch den

Bürgermeister von Tamm, der vom Fanfarenkorps des ansässigen Musikvereins begleitet wurde. Das Highlight der Woche ist zweifellos die Party am Freitagabend, wenn das Training geschafft ist und die Endorphine sprühen. Doch bevor der DJ die Musik zum Tanzen aufgelegt hat, gehörte die Bühne dem Mannheimer Ryan Hayashi, der nicht nur Karateka ist und die Woche mit uns trainiert hat, sondern auch als Magier in Fernsehshows und sogar ins Las Vegas auftritt. Seine Zauberkünste mit Karten, Bällen und Bechern direkt vor den Augen der Karatemeister waren phänomenal.

Bei der Party konnten wir ein weiteres ganz besonderes Ereignis feiern: Unser Cheftrainer und Abteilungsleiter Thomas Igerst hat die Prüfung zum Godan, dem 5. Meistergrad im Karate, abgelegt. Die lange und intensive Vorbereitung auf diese weitere Stufe im Karate wurde somit belohnt. Die ganze Abteilung gratuliert ihm ganz herzlich zu diesem Erfolg und seine Schüler hoffen noch vieles von seinem Wissen mit auf den eigenen Karate‐Weg zu bekommen!

Simon Quittek